Donnerstag, 13. Dezember 2012

Kopfrauchen

Hirngespinst

Eine runde eiche Sache
ist das Hirn bei Frau und Mann,
und es ist nicht auszudenken,
was man damit denken kann.
Aber leider kennen viele
nicht den ert dieser Substanz:
Hilflos gehen sie durch Leben
ie ne Katze ohne Schwanz.

  Hallo! Hier kommt ein neues Gedicht. 
Ich bin mir absolut sicher, dass jeder die Situationen kennt, in denen man seinem Gegenüber gerne mal die Funktion eines Gehirns erklären möchte. Das häufigste Beispiel ist wahrscheinlich das hier: "Wie geht das?" - "Das habe ich vor einer Minute erklärt!!!". 
Das heutige Gedicht beschreibt meiner Meinung nach sehr treffend die Gedanken in so einer Situation.


Hirngespinst

Eine runde weiche Sache,
ist das Hirn bei Frau und Mann,
und es ist nicht auszudenken,
was man damit denken kann.
Aber leider kennen viele
nicht den Wert dieser Substanz:
Hilflos gehen sie durchs Leben
Wie ’ne Katze ohne Schwanz.

Da das "Ich-glaube-er-hat-kein-Hirn" - Phänomen nicht nur in Deutschland auftritt, hielten es einige schlaue Köpfe offenbar für nötig, dieses Gedicht auch für andere Nationalitäten  verständlich zu machen. Sehr zuvorkommend!

Fantasy

A round soft thing
Is the brain in women and men,
and there is no telling
what one can think with it.
But unfortunately many people
Do not know the value of this substance:
Helpless, they go through life
Like a cat without a tail.


"Leider kennen viele nicht den Wert dieser Substanz" - diese Menschen sind wirklich zu bedauern. Aber können sie denn etwas dafür? Das schlimmste ist ja, dass man ihnen nicht einfach das Gehirn einschalten kann... und gerade das wird oft zur Tortur.
Am deutlichsten merke ich das immer im Biomarkt: 
"Drei Gläser Sahne bitte und zwei Liter Milch und eine Butter"
"Gut, ich hol das mal" 
(geht in den Nebenraum und kommt erst nach gefühlten fünf Minuten wieder) - 
"So hier ist die Milch und die Butter" 
"Ja und die Sahne?"
"Oh, die hab ich jetz vergessen ... Moment"
(geht wieder in den Nebenraum und kommt erst nach gefühlten zehn Minuten wieder)
"So: Milch, Butter und Sahne. Was kann ich sonst noch für sie tun?"
"Haben Sie heute Schinken?"
" Der müsste gerade unterwegs sein - Moment, ich ruf mal an ...."
(holt ein Handy aus der Tasche, wählt und redet ewig über alles andere als Schinken)
"Ja der Schinken ist noch nicht da" - Ach was! - "Brauchen Sie sonst noch irgendwas?"
Egentlich schon, aber ich kann nicht mehr, also:
"Nein, danke, das ist alles."
Zahlen... keine Sache von zwei Minuten.

Effektives Arbeiten ist nicht jedermanns Sache, das ist mir klar. Es ändert aber nichts daran, dass es nervt, wenn man von Menschen bedient wird, die es eigentlich können sollten. Und die Tatsache, dass ich mir immer denke, wie ich das ganze organisieren würde, macht es auch nicht gerade besser. Das ist wohl der große Nachteil einer guten Bildung 
Man kann einfach nicht aufhören zu denken...

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Besinnlicher Nikolausabend

Heute oder morgen? Wann ist Nikolausabend? Also für uns ist der Nikolaus am Abend des 5.Dezember gekommen. Deswegen kommt auch heute das Nikolaus-Gedicht von mir.
Dieses Gedicht kommt von dem berühmten Loriot.
Ich finde, man spürt die besinnliche Adventsstimmung und trotzdem wirkt das Gedicht nicht kitschig oder gar langweilig.
Dieser Link führt euch direkt zu dem Video, in dem Loriot das Gedicht höchstpersönlich :) vorträgt.

http://www.clipfish.de/video/3703539/loriot-advent/

Und für diejenigen, die nicht zu faul zum Lesen sind ist hier nochmal der Text:

Advent (Loriot)

Es blaut die Nacht
Die Sternlein blinken.
Schneeflöcklein leise niedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.

Und dort, vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann' ein warmes Licht.
Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.

In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei der Heimespflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.

So kam sie mit sich überein:
Am Nicklausabend muß es sein.
Und als das Rehlein ging zur Ruh',
das Häslein tat die Augen zu,

Erlegte sie - direkt von vor'n
- den Gatten über Kimm' und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase.

Und ruhet weiter süß im Dunkeln,
Derweil die Sternlein traulich funkeln.
Und in der guten Stube drinnen,
da läuft des Försters Blut von hinnen.

Nun muß die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie bis auf die Knochen
nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied
- was der Gemahl bisher vermied -
Behält ein Teil Filet zurück,
als festtägliches Bratenstück.

Und packt zum Schluß - es geht auf vier -
die Reste in Geschenkpapier.
Da dröhnt's von fern wie Silberschellen.
Im Dorfe hört man Hunde bellen.

Wer ist's, der in so tiefer Nacht
im Schnee noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldenem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten!

»Heh, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?«
Des Försters Haus ist tief verschneit,
doch seine Frau steht schon bereit:

»Die sechs Pakete, heil'ger Mann,
's ist alles, was ich geben kann!«
Die Silberschellen klingen leise.
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.

Im Försterhaus die Kerze brennt.
Ein Sternlein blinkt: Es ist Advent.


Mord und Kanibalismus sind natürlich keine lustigen Themen. Trotzdem ist das Gedicht doch irgendwie lustig, oder? Warum können wir denn dann über solche Dinge lachen?
Ich glaube, der Lacheffekt entsteht durch den enormen Gegensatz zwischen der besinnlichen Atmosphäre am Anfang des Gedichtes und der grausamen Bluttat, die anschließend beschrieben wird. Der Leser wird überrascht. Es ist doch nicht normal, dass eine Frau ihren Gatten umbringt, weil er ihr zu viel Dreck macht.
Was Loriot hier genial umsetzt ist der "schwarze Humor". Schwarzer Humor ist, wenn man trotzdem lacht, obwohl der Grund dafür absurd ist.
ich sehe in diesem Gedicht außerdem auch viele Merkmale des Expressionismus. Das offensichtlichste ist wohl das Groteske, ein Mord aus nichtigen gründen. Andererseits kann dieses Groteske auch als Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft gesehen werden - finde ich. Gutes tun zu Weihnachten, das ist es doch, was man tun soll. Und den Armen ein Bratenstück zu spenden ist ja wohl auf jeden Fall eine nette Sache, Haken hin oder her. Antimaterialistisch - ja wenn man nichts anderes herzugeben hat, dann muss man wohl oder übel auf den Ehemann zurückgreifen.
So viel weiter will ich das Gedicht auch nicht zerpflücken, sonst ist ja die Fantasie nicht mehr wirklich frei.
Vielleicht ist das Gedicht ja ein netter Anstoß zum Einstieg in die Weihnachtszeit.
Einen schönen Nikolausabend :)

Sonntag, 2. Dezember 2012

Hier mein erstes Gedicht: 

Heinz Erhardt
Die Made

Hinter eines Baumes Rinde
wohnt die Made mit dem Kinde.
Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.

Eines Morgens sprach die Made:
Liebes Kind, ich sehe grade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl.
Halt! Noch eins, denk, was geschah,
geh nicht aus, denk an Papa!

Also sprach sie und entwich -
Made junior jedoch schlich
hinterdrein, und das war schlecht,
denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine fade
Made ohne Gnade. - Schade.

Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde.

Die große, ausführliche Interpretation spare ich mir jetzt mal. Ich glaube nicht, dass Heinz Erhardt (Gott hab ihn selig) wollte, dass seine Gedichte nach Stilmitteln, Reimschema, Rhythmus und so weiter zerpflückt werden. Diese trockene Art mit Gedichten umzugehen langweilt mich genauso wie jeden anderen Schüler.
Das Gedicht ist mal eine andere Art, mit dem Thema Tod umzugehen. Ernstes Thema, ja aber humorvoll dargestellt. Denn die Moral von der Geschicht: wird wohl jeder selbst herausfinden können...
Für die, die sie nicht finden: Lyrik kann auch einfach nur unterhaltsam sein.
In diesem Sinne
Tschüsschen mit Küsschen :)

Herzlich Willkommen bei Poetryspam!
Gedichte kommen ja in der Regel nur in den schlimmsten Horrorvorstellungen von Schülern vor. Goethe, Schiller, Heine, Rilke - kann das überhaupt Spaß machen? Das Schulaufgaben-Trauma sitzt tief, aber vielleicht gelingt es mir ja, es mit diesem Blog ein Stückchen besser zu machen. Betrachtet mein Werk also als eine Therapie gegen das Ich-hasse-Gedichte-Trauma.
So viel im Voraus: Gedichte können äußerst unterhaltsam, realitätsnah und auch lehhrreich sein!
Also lasst euch überraschen :)