Heute oder morgen? Wann ist Nikolausabend? Also für uns ist der Nikolaus am Abend des 5.Dezember gekommen. Deswegen kommt auch heute das Nikolaus-Gedicht von mir.
Dieses Gedicht kommt von dem berühmten Loriot.
Ich finde, man spürt die besinnliche Adventsstimmung und trotzdem wirkt das Gedicht nicht kitschig oder gar langweilig.
Dieser Link führt euch direkt zu dem Video, in dem Loriot das Gedicht höchstpersönlich :) vorträgt.
http://www.clipfish.de/video/3703539/loriot-advent/
Und für diejenigen, die nicht zu faul zum Lesen sind ist hier nochmal der Text:
Advent (Loriot)
Es blaut die Nacht
Die Sternlein blinken.
Schneeflöcklein leise niedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.
Und dort, vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann' ein warmes Licht.
Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.
In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei der Heimespflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.
So kam sie mit sich überein:
Am Nicklausabend muß es sein.
Und als das Rehlein ging zur Ruh',
das Häslein tat die Augen zu,
Erlegte sie - direkt von vor'n
- den Gatten über Kimm' und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase.
Und ruhet weiter süß im Dunkeln,
Derweil die Sternlein traulich funkeln.
Und in der guten Stube drinnen,
da läuft des Försters Blut von hinnen.
Nun muß die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie bis auf die Knochen
nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.
Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied
- was der Gemahl bisher vermied -
Behält ein Teil Filet zurück,
als festtägliches Bratenstück.
Und packt zum Schluß - es geht auf vier -
die Reste in Geschenkpapier.
Da dröhnt's von fern wie Silberschellen.
Im Dorfe hört man Hunde bellen.
Wer ist's, der in so tiefer Nacht
im Schnee noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldenem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten!
»Heh, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?«
Des Försters Haus ist tief verschneit,
doch seine Frau steht schon bereit:
»Die sechs Pakete, heil'ger Mann,
's ist alles, was ich geben kann!«
Die Silberschellen klingen leise.
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.
Im Försterhaus die Kerze brennt.
Ein Sternlein blinkt: Es ist Advent.
Mord und Kanibalismus sind natürlich keine lustigen Themen. Trotzdem ist das Gedicht doch irgendwie lustig, oder? Warum können wir denn dann über solche Dinge lachen?
Ich glaube, der Lacheffekt entsteht durch den enormen Gegensatz zwischen der besinnlichen Atmosphäre am Anfang des Gedichtes und der grausamen Bluttat, die anschließend beschrieben wird. Der Leser wird überrascht. Es ist doch nicht normal, dass eine Frau ihren Gatten umbringt, weil er ihr zu viel Dreck macht.
Was Loriot hier genial umsetzt ist der "schwarze Humor". Schwarzer Humor ist, wenn man trotzdem lacht, obwohl der Grund dafür absurd ist.
ich sehe in diesem Gedicht außerdem auch viele Merkmale des Expressionismus. Das offensichtlichste ist wohl das Groteske, ein Mord aus nichtigen gründen. Andererseits kann dieses Groteske auch als Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft gesehen werden - finde ich. Gutes tun zu Weihnachten, das ist es doch, was man tun soll. Und den Armen ein Bratenstück zu spenden ist ja wohl auf jeden Fall eine nette Sache, Haken hin oder her. Antimaterialistisch - ja wenn man nichts anderes herzugeben hat, dann muss man wohl oder übel auf den Ehemann zurückgreifen.
So viel weiter will ich das Gedicht auch nicht zerpflücken, sonst ist ja die Fantasie nicht mehr wirklich frei.
Vielleicht ist das Gedicht ja ein netter Anstoß zum Einstieg in die Weihnachtszeit.
Einen schönen Nikolausabend :)
kennst du "Die Sache mit den Klößen?"
AntwortenLöschen"Klöße"? Das Wort kenn ich nicht :)
AntwortenLöschenAber ich werde das Gedicht gleich mal nachlesen.